Willkommen im Land der Verrückten…

„Das ist ja nur eine verwaltungstechnische Formalität“…mit diesem Zitat aus einem der legendären Asterix & Obelix Filme möchte ich meinen heutigen Artikel einleiten. Es sind noch knapp 2 Wochen bis zu meiner Abreise, aber man kann ja nie früh genug mit den Ausreiseformalitäten anfangen. Außerdem weiß ich von anderen Studenten, die früher abreisen, dass es die eine oder andere kleine bürokratische Hürde gibt. Zum Ende des Semesters muss man einen Zettel abholen, auf dem – natürlich auf Russisch – 8 Institutionen stehen, bei denen jeweils eine Unterschrift eingeholt werden muss. Ohne die vollständigen Unterschriften gibt es kein Visum. Ergänzend hierzu muss erwähnt werden, dass das Multivisum im internationalen Büro aufbewahrt wird, damit niemand unbemerkt das Land verlassen kann.  Mein Kumpel Wladi hat mir freundlicherweise diesen Zettel mitgebracht und damit konnte der Marathon beginnen.

Die erste Institution war die Putzfrau auf meiner Etage. Keine Ahnung, was sie bestätigen sollte, vielleicht ob ich auch immer schön mein Geschirr abgewaschen und alle 2 Wochen meine Bettwäsche gewechselt habe. Sie war aber sehr nett und hat ohne Zögern meinen Zettel unterschrieben. Großartig, dachte ich, wenn das überall so läuft, bin ich ja in einer halben Stunde mit meinem Visum in der Tasche wieder da. Haha, aber nicht hier in Russland…

Ich hatte mich sicherheitshalber um 10 Uhr mit Wladi verabredet, damit wir die nächsten Stationen gemeinsam erledigen können. Er ist – im Gegensatz zu mir – der russischen Sprache mächtig. Der nächste Weg führte uns zu der Direktorin des Wohnheims. Eigentlich sollte sie bestätigen, dass wir auch immer schön die Miete gezahlt haben. Ich hatte extra die Quittungen der Bank mit. Aber die Dame schickte uns leider weiter in das Hauptgebäude der Uni zur Buchhaltung. Ich mag dieses Gebäude nicht. Es ist riesig und sehr verwinkelt. Aber Wladi kannte sich sehr gut aus und so fanden wir auch nach kurzer Zeit den Raum. So habe ich mir eine Buchhaltung immer vorgestellt: 4 Schreibtische in einem 20 m² großen Raum und alle Wände sind mit Aktenschränken zugestellt. Überall liegen riesige Stapel mit Blättern und Papieren. Eine junge Angestellte verließ gerade den Raum, als wir unser Anliegen einer anderen schilderten. Leider war auch diese Dame nicht zuständig, sondern die Selbige, die gerade den Raum verlassen hatte. Wieder wurden wir weggeschickt mit der Aufforderung, dass wir um 13 Uhr nochmal wiederkommen sollen. Wenigstens konnte ich mir in der Bibliothek desselben Gebäudes 3 Unterschriften auf einmal abholen, dass ich auch kein Buch mehr ausgeliehen habe. Anschließend gingen wir in das nächste Gebäude, in dem sich das internationale Büro und die Visastelle befinden. Im Büro für Visumsangelegenheiten bekamen wir NOCH einen Zettel, den wir unter Angabe unserer Heimatadresse und dem Grund unserer Abreise ausfüllen mussten. Nennen wir diesen Zettel, Zettel 2 und den anderen mit den vielen noch fehlenden Unterschriften, Zettel 1.

Zettel 2 sollten wir nun von unserer Koordinatorin unterschreiben lassen. So gingen wir 3 Türen weiter ins nächste Büro. Unsere liebe Koordinatorin erklärte uns dann, dass sie erst die Unterschrift auf Zettel 1 von dem Wohnheim bräuchte, damit sie uns Zettel 2 unterschreiben kann. Hmm, das nennt man dann wohl Teufelskreis: Ohne Wohnheimunterschrift keine Buchhaltungsunterschrift, ohne Buchhaltungsunterschrift keine Wohnheimunterschrift und ohne Wohnheimunterschrift keine Unterschrift auf Zettel 2 und ohne Zettel 2 kein Visum.

Grafik

Das soll einer verstehen…aber es kam noch besser!

Da wir im Moment wenig ausrichten konnten, beschlossen Wladi und ich uns 13 Uhr nochmal zu treffen, um uns dann gemeinsam auf den Weg zur Buchhaltung zu machen. Gesagt, getan! Wieder im verwinkelten Abteil der Buchhaltung angekommen erwischten wir dieses Mal sogar die richtige Mitarbeiterin. Sie schaute sich kurz unsere Zettel 1 an und meinte dann nach einem ebenfalls kurzen Telefonat, dass wir erst einen ANDEREN Zettel aus dem Wohnheim bräuchten, der bestätigt, dass wir bezahlt haben. Hä, was soll das denn jetzt? Ich dachte deshalb wären wir in der BUCHHALTUNG? Es ist ja nicht so, dass es draußen minus 8 °C sind und das Unigelände einer Schlittschuhbahn gleicht, falls man es überhaupt bis zum nächsten Gebäude schafft und nicht von den 2 Meter langen Eiszapfen erschlagen wird, die am ganzen Dach herunterragen. Aber hey, wir gingen eben nochmal hinüber wo uns die Direktorin schon mit einem leicht gesenkten Blick erwartete. Sie stellte uns die Zahlungsbestätigung aus und war sogar so freundlich, uns auch die höchstwichtige Unterschrift auf Zettel 1 zu geben. Nun machten wir uns auf den Weg zurück zur Buchhaltung, in der Hoffung, dass nun alles glatt läuft. Zum Glück bekamen wir auch hier endlich unsere Unterschrift. Auf ging es zum Internationalen Büro für die letzten Unterschriften auf Zettel 1 und 2. Und wie konnte es auch anders sein, die Tür war zugeschlossen. Das durfte doch wohl nicht wahr sein. Wir fragten uns, ob hier überhaupt irgendetwas funktioniert in diesem Chaos. Wir haben dann in der Visastelle Bescheid gesagt, dass die Koordinatorin nicht da sei. Zum Glück war die Dame so nett und hat uns das Visum dann trotzdem gegeben.  Da standen wir nun – 4 Stunden später – und hielten endlich unser Visum in der Hand. Nicht, dass der Staat schon genug Bürokratie, Macht und Angst verbreitet, die Uni selbst hat ebenfalls ein ineffizientes und unnötiges System, welches längst überholt sein müsste. Das Problem ist, dass die Zuständigkeiten hier nicht eindeutig geregelt sind und die rechte Hand somit nicht weiß, was die Linke macht.

Und wenn ihr jetzt noch 10 Min. Zeit für etwas Lustiges habt, dann schaut euch den Ausschnitt aus Asterix & Obelix an. Stellt euch vor, die Szene wäre in Russland gedreht worden.

Asterix & Obelix: Passierschein A38

Vergleich Film und meine Situation:

Passierschein A38 = Visum

Büro im Korridor 1 = Buchhaltung

Plan im 6. Stock = Uniraumplan

Blaues Formular = Zettel 1

Kollegin ist zu Tisch = unsere Koordinatorin

„Mit diesem Formular müssen Sie das rosa Formular beantragen“ = Zettel 2

Asterix & Obelix flippen aus und werden wahnsinnig = Jenny & Wladi nachdem sie von der Buchhaltung wieder ins Wohnheim geschickt wurden

Was lernen wir daraus? Die Uni fand die Folge von Asterix & Obelix wohl genau so lustig wie wir und dachte sich, dass sie das doch auch mal ausprobieren könnte. Das Ergebnis kennen wir ja. Abschließend möchte ich mich bei den Menschen bedanken, die mich an diesem zum Lachen gebracht haben und durch die ich die einen oder anderen Kalorien mehr verbrannt habe. Wer sind DIE? „Die kommen alle aus dem Haus, das Verrückte macht“ (weiteres Zitat aus dem Filmausschnitt). Und damit möchte ich meinen Tag für heute abschließen.

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SCHNEEEEEEEEEEEE!!!

DSCF7614Hallo zusammen, endlich hat es geschneit! Es gab zwar Ende Oktober bereits den ersten Schnee, aber aufgrund zu hoher Temperaturen wurde es schnell matschig und der Schnee taute komplett weg. Aber nun ist er da und wird wohl auch bleiben. Die Temperaturen sind auch merklich kühler geworden. Derzeit sind es -8°C und es soll nächste Woche auch noch kälter werden. Nun gewinnen Mütze, Schal, Handschuhe und Winterstiefel an Bedeutung. Jetzt fehlen nur noch die selbstgebackenen Plätzchen und dann könnte schon fast Weihnachtsstimmung aufkommen. Die Deko hat jedenfalls auch St. Petersburg erfasst.

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Panzerkreuzer „AURORA“

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Olga und ich haben an einem Samstag beschlossen noch ein bisschen Sightseeing in St. Petersburg zu machen. Das Wetter war eher bescheiden, aber trozdem wollten wir zum Panzerkreuzer Aurora fahren. Wir suchten uns schnell eine Busverbindung heraus und zogen uns an. Eine halbe Stunde später standen wir bereits direkt vor dem grauen Riesen, na gut, so groß ist er nun auch nicht. Am Eintrittshäuschen erfuhren wir , dass die nächste Führung erst eine halbe Stunde später beginnen soll. Kein Problem für uns, wir schlenderten einfach noch ein bisschen an den Souvenirläden vorbei. Um 15:15 Uhr ging es dann los, wir wurden in das Innere des Schiffs gebracht und ein älterer Herr versorgte uns in enormer Geschwindigkeit und auf russisch mit den wichtigsten Fakten über den Kreuzer und die russische Kriegsgeschichte. Es gab verschiedene Ausstellungsräume mit Vitrienen, die Fotos von ehemaligen Besatzungsmitgliedern, alten Orden oder der Uniform enthielten. Sogar eine kleine Kapelle befand sind im Bauch des Schiffes. Auf Schautafeln wurden die Routen der Aurora dargestellt, wodurch wir erfuhren, dass sie sogar schon um Südafrika herum fuhr. Die Aurora liegt seit 1956 als Museumsschiff in Sankt Petersburg. Sie gilt als Symbol der Oktoberrevolution. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Kanonen des Schiffes demontiert und zur Verteidigung Leningrads (früherer Name Petersburgs) eingesetzt. Am 30. September 1941 wurde die Aurora bei einem deutschen Luftangriff schwer beschädigt und sank im Hafen. Das heißt, bei dem Schiff, das wir besichtigt haben, handelt es sich leider nur um einen Nachbau. Das hat uns etwas desillusioniert, aber dafür ist es auch noch sehr gut erhalten. Man hat aber trotzdem eine sehr realistische Vorstellung von dem damaligen Leben auf dem Schiff bekommen.

Leider hatten wir schon den Fehler gemacht und uns auf deutsch unterhalten, bevor wir wussten, dass die Deutschen mal wieder Schuld am Sinken des Kreuzers waren. Dadurch wurden wir unfreiwillig zum Fotoziel von einigen russischen Besuchern.

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Ausflug nach Nowgorod (Tag 60)

06:40 Uhr: Der Wecker klingelt. Müde schlage ich die Augen auf und blinzle dem Fenster entgegen. Noch totale Dunkelheit. Nach einer Tasse Tee und der ersten kühlen Gesichtswäsche startet ich in den Tag. Heute auf dem Plan: Das 180 km südlich von St. Petersburg gelegene Weliki Nowgorod.

Wir (ich und 6 andere Studenten) haben uns diesmal für eine geführte Tour entschieden. Der Reisebus fährt um 8 Uhr von einer Sammelstelle im Zentrum St. Petersburgs los. Leider merke ich bereits jetzt , dass die Reiseführerin ausschließlich russisch spricht. JACKPOT, denke ich. Das wird ja sehr informativ für mich. Irgendwie bin ich davon ausgegangen, dass die Führung auf Englisch ist. Naja, zum Glück habe ich meinen iPod mit, denn die nächsten 3h Busfahrt waren von ausführlichen Informationen über Nowgorod und weiteren Orten begleitet, natürlich durch den Lautsprecher. Mit meiner Lieblingsmusik in den Ohren konnte ich sogar noch einmal eine Stunde schlafen, denn es ist immer noch dunkel.

Sonnenaufgang gegen 10 Uhr

Gegen 10 Uhr geht dann doch mal die Sonne auf und wir halten an einer Raststätte. Anschließend fahren wir noch etwa eine Stunde bis nach Nowgorod. Dort haben wir eine Stunde Aufenthalt um etwas Warmes zu essen. Wir denken uns, eine schöne heiße Suppe, wäre genau das Richtige und bestellen Bortsch.

Jurjiew-Kloster mit St. Georg-Kathedrale

Anschließend sitzen wir wieder im Bus und werden zum Jurjiew-Kloster gefahren. Dieses Kloster war ein südlicher Vorposten der Stadt und beinhaltet die Hauptkathedrale St. Georg. Es scheint als wenn diese 1119 erbaute Kathedrale aus einem einzigen Stein geschnitten wurde. Danach fahren wir mit dem Bus weiter zum Freilichtmuseum für Holzarchitektur: Witoslawlitzy. Die Bauten erinnern stark an die Häuser der Russischen Kolonie in Potsdam. Dort bekommt man eine Vorstellung über das Alltagsleben der alten russischen Bauern im 16.-18. Jahrhundert.

Witoslawlitzy – das Freilichtmuseum für Holzarchitektur

Kreml und Sophienkathadrale

Nach einer weiteren Busfahrt gelangen wir ins Zentrum von Nowgorod. Dort haben wir nun 2h Aufenthalt und können an einer Stadtführung (immer noch auf russisch) teilnehmen. Da es sehr kalt und windig ist, setzen wir unsere Tour auf eigene Faust fort und besichtigen selbst die Festungsmauern des Nowgoroder Kreml und die Sophienkathedrale. Der Kreml selbst wurde in den Stadtchroniken 1044 das erste Mal erwähnt. Die Sophienkathedrale wurde 1045-1050 als erste Steinkathedrale Russlands erbaut. Die erste urkundliche Erwähnung geht aber schon auf das Jahr 859 zurück. Daher wird Weliki Nowgorod (russisch für „Große neue Stadt“) auch als Geburtsstätte Russlands bezeichnet.

Besonders stolz sind die Nowgoroder Historiker auf mehr als 1000 gut erhaltene Birkenrindenurkunden verschiedenen Inhalts. Gefunden wurden unter anderem Geschäftsbriefe, Liebesbriefe, Rezeptnotizen, Bibelkommentare, Rechnungen und sogar das Gekritzel von Schülern. Diese Fundstücke deuten darauf hin, dass alle Bürger des mittelalterlichen Nowgorods einschließlich der Frauen und des einfachen Volkes lese- und schreibkundig waren. Bewundernswert ist auch die feine Holz-, Metall-, Leder-, Glasbearbeitung. Das alles zeugt von der ehemaligen Größe und Stärke Weliki Nowgorods. Gegen 16:45 Uhr treten wir die 3-stündige Rückfahrt an und erreichen St. Petersburg um 20 Uhr.

Der Tag war ziemlich lang und die vielen Busfahrten sehr anstrengend. Dank des Internets konnte ich mich wenigstens im Nachhinein über die Stadtgeschichte informieren und euch an meinem Wissen teilhaben lassen. Ich denke, dass man bei einem Aufenthalt in Russland auf jeden Fall einen Abstecher in das politische, religiöse, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des mittelalterlichen Russlands gemacht haben sollte.

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Das ist „Mein schönes St. Petersburg“!

Unter dem folgenden Link findet ihr ein wunderschönes Kurzportrait von St. Petersburg. Ich empfehle allen, sich mitreißen zu lassen und wünsche euch viel Freude bei diesem Video:

http://www.youtube.com/watch?v=frmTrm5KAG4

Danke an Raphael für diese großartige Kollage von St. Petersburg.

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Mein 24. Geburtstag

Auch auf diesem Wege möchte ich mich nochmal bei allen bedanken, die an meinen Geburtstag gedacht und mir gratuliert haben. Gerne erzähle ich euch auch ein bisschen von meinem schönen Tag, damit ihr nicht denkt, dass ich ganz allein gefeiert habe 😉

Ich habe erst einmal schön lange ausgeschlafen und bin dann zum Bäcker gegangen um mir ein leckeres belegtes Brötchen und ein Stück Kuchen zu kaufen. Ich war dann gegen halb 1 meiner Zeit (Deutschland + 3h) mit meiner Familie zum Skypen verabredet. Meine Oma hatte mir zuhause sogar einen schönen Geburtstagskuchen gebacken J Wir haben dann ca. 1,5h geskyped und um 14 Uhr kamen meine Mitbewohnerin Olga und ihr Freund mich besuchen. Natürlich hatten sie auch ein Geschenke und Kuchen im Gepäck. Aber seht selbst:

Ja ihr seht richtig, alles was man sich nur wünschen kann, wenn man 3 Monate in Russland ist: süßen, leckeren Kuchen für die Nerven, das Buch Kulturschock Russland um bei den russischen Gepflogenheiten nicht unterzugehen und lecker Pesto, damit ich nicht verhungere!!!

Danach haben wir den Kuchen gegessen und anschließend einen Spaziergang zur Erlöserkirche gemacht. Leider hat es, wie so oft an meinem Geburtstag, aus Kannen geregnet, aber dafür gibt es wetterfeste Kleidung.

Als ich zurück war, hatte ich noch etwas Zeit(3h) um mich zum Abendessen fertig zu machen. Ja das braucht auch so langsam seine Zeit, schließlich muss die Spachtelmasse im Gesicht erst trocknen (man ist ja keine Anfang 20 mehr). 😉

Um 20 Uhr hat mich eine andere Mitstudentin abgeholt und wir sind zum Restaurant gegangen, in dem wir uns mit Olga und ihrem Freund getroffen haben. Ich habe mich für ein sehr stilvolles und gemütliches Restaurant entschieden. Leider war der Service sehr schlecht, da die kleine Kellnerin bereits mit 3 Tischen etwas überfordert war. Sie konnte auch immer nur einen Teller abräumen. Aber gut, das Essen war dafür umso besser.

Gegen 22 Uhr waren wir mit weiteren Mitstudenten in einer schicken Bar um die Ecke verabredet. Dort feierten wir noch ein bisschen. Auch von ihnen bekam ich ein Geschenk:

Finnische Schokolade und Karten für die Oper Die Zauberflöte im bekannten Mariinsky-Theater am 15.11.. Das Beste ist, das alle meine Gäste mitkommen. Ich habe mich wirklich sehr gefreut! Es sind sehr liebe Leute, die ich hier kennengelernt habe. Es war auch sehr international: Studenten aus Finnland, Russland, Aserbaidschan, Iran und natürlich aus Deutschland.

Danach wollten wir eigentlich noch ein bisschen tanzen gehen, aber irgendwie war der Abend ungeeignet dafür. Entweder es war schon voll oder es gab Halloweenpartys, bei denen man nur mit Einladung hineinkommt oder aber die Musik war schlecht. Wir entschieden uns dann erst einmal zu unserem Stamm-Burger-Lokal zu gehen und uns einen kleinen Mitternachts-Snack zu gönnen. Da blieben wir eine ganze Weile und waren dann doch müde. Es war ja auch ein langer Tag. Es ist schon etwas Besonderes seinen Geburtstag im Ausland zu feiern, mit eigentlich fremden Menschen, die einem aber in so kurzer Zeit auch ans Herz gewachsen sind und mir einen wunderschönen Abend beschert haben. Nichtsdestotrotz freue ich mich aber auch auf meine eigentlichen Freunde zuhause. I love you!

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Letzter Aufruf: Helsinki

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Das war ein abgefahrener Trip, so spontan habe ich mich noch nie zu etwas entschieden, außer zu diesem Auslandssemster hier. 😉

Wie alles geschah….

Am Donnerstag sollte ich endlich mein Multivisum bekommen, welches mich zu einer erneuten Einreise nach Russland ermächtigt. Das sollte unsere Fahrkarte nach Helsinki werden. Olga und ich planten nämlich schon seit einiger Zeit einen Kurztrip nach Helsinki. Leider hat uns die russische Bürokratie (vorerst) einen Strich durch die Rechnung gemacht. Mein Visum war nicht fertig! Das machte mich ganz schön wütend und traurig, denn das nächste mögliche Wochenende für diesen Trip wäre erst im Dezember gewesen. Nachdem wir eine Nacht darüber geschlafen hatten, beschlossen wir uns einfach ein schönes freies Wochenende in St. Petersburg zu machen mit Museumsbesuchen, Bars und Disko. Wir waren gerade auf dem Weg zur Eremitage, als wir noch kurz ins International Office gegangen sind, um wenigstens meinen Pass abzuholen. Und siehe da, das Visum war plötzlich doch fertig. Ich konnte mich aber nicht darüber freuen, weil es eh zu spät war – dachte ich zumindest. Ich ging dann nach draußen zu Olga und erzählte ihr davon. Sie überlegte keine Sekunde und fragte mich, ob wir es nicht doch probieren wollen, es war jetzt 16:30 Uhr und die Fähre nach Helsinki sollte 19 Uhr ablegen. Ich überlegte für den Bruchteil einer Sekunde und entschied mich, das Risiko einzugehen und mal richtig spontan zu sein. Ich denke ihr wisst, was das für mich bedeutet, schließlich mache ich sonst Pläne um Pläne zu machen :-).

Was dann geschah, kann man wirklich als absolute Last-Minute-Aktion beschreiben:

16:30 Uhr Visum bekommen….

16:32 Uhr Fähre telefonisch gebucht, mit der Aufforderung spätestens 18 Uhr am Hafen zu sein…

16:35 Uhr Taxi zu 17 Uhr bestellt….die eine Frau aus dem Office hatte eine Rabattkarte, so dass die Fahrt nur 8€ kosten sollte.

16:40 Uhr Sachen packen….

16:50 Uhr Taxi rief an und meldete 5-10 Min. Verspätung

17:00 Uhr Warten auf den Taxifahrer

17:10 Uhr Wir warten immer noch auf den Taxifahrer

17:15 Uhr Wir warten – inzwischen mehr als nervös – auf den Taxifahrer *meine Nerven sind zum Zerreißen gespannt-sch… russische Unpünktlichkeit*

17:20 Uhr Endlich! Taxi ist da, nun aber schnell durch die volle Stadt Freitagnachmittag…

17:25 Uhr Eine rote Ampel nach der anderen, ist ja klar, wenn man es eilig hat. Aber zum Glück hatten wir einen guten Taxifahrer, der alle Verkehrsregeln missachtet und dafür auch ein ordentliches Trinkgeld bekommen hat!!!

17:35 Uhr Das Taxi bog zum Hafen ab und da sahen wir schon den großen Dampfer. Nun schnell zum Check-In.

17:42 Uhr Wir standen – natürlich – an einer Schlange zum Check-In an. Zum Glück hat Olga nochmal bei einem anderen Schalter nachgefragt, denn wir mussten doch noch bezahlen.

17:50 Uhr Check-In completed!!! Endlich hielten wir unsere Bordkarten in der Hand und konnten unser Glück kaum fassen 🙂

Nun konnten wir uns entspannter an der nächsten Schlange zum Boarding anstellen. Das dauerte dann noch einmal eine geschlagene Stunde, da die Passkontrolle sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat. Und um 19 Uhr waren wir nun endlich auf der Fähre.

Unser 1. Abend:

Es wirkte alles sehr luxuriös, die Treppengeländer und Fahrstühle waren goldfarben und das Schiff verfügte über 8 Decks. Wir bezogen eine schöne Zwei-Personen-Innenkabine auf Deck 6. Wir waren immer noch so überschwänglich, weil wir es wirklich gemacht und auch noch geschafft haben. Vor allem freuten wir uns über unser eigenes Bad, schließlich gibt es im Wohnheim nur ein Gemeinschaftsbad :-(. Nachdem wir kurz verschnauft hatten, überkam uns ein starkes Hungergefühl, da wir gar nicht daran dachten, dass wir schon den ganzen Tag nichts gegessen haben. Wir machten uns rasch frisch und wählten einen Italiener zum Abendessen aus. Außerdem gab es auch ein Sushi-Restaurant und ein gehobenes À-la-Carte Restaurant mit russischen Speisen. Wir genossen unsere Pastagerichte mit einer Flasche Weißwein und saßen direkt am Fenster, wodurch wir die Ausfahrt aus St. Petersburg live miterleben konnten. Es war so ein schön. Ich fühlte mich, als sei ich Passagier der 1. Klasse auf der Titanic. Anschließend schauten wir uns die Fähre weiter an und entdeckten ein Kasino, 3 Bars, eine Diskothek und den Duty-Free-Shop!!! Dort deckten wir uns erst einmal für den Abend mit Süßigkeiten, Wasser und Wodka-Lemon ein. Etwas angeheitert und immer noch voller Euphorie gingen wir dann zur Disko und tanzten dort bis in die frühen Morgenstunden.

Ankunft in Helsinki

Am nächsten Morgen, nach gefühlten 2h Schlaf, legte die Fähre an und wir mussten von Bord gehen. Wir hatten Glück, dass wir unsere Kabine behalten konnten, so dass wir unsere Sachen dort ließen. Noch etwas verkatert, passierten wir die super-elektronische-selfmade-E-Pass-Kontrolle, die uns durch einen Scanner innerhalb von 1 Minute einreisen ließ! Ja Russland, nimm dir mal ein Beispiel. Da wussten wir gleich: Wir sind wieder in Europa, Juppy!!! Als nächstes holten wir uns EURO-Bargeld vom Automaten und genossen den ersten Kioskkaffee für 3 € (!). Na gut, Finnland ist teuer, aber schön! Danach liefen wir ca. 20 Min in das Zentrum und suchten uns ein nettes Café zum Frühstück. Wir hatten bis 18 Uhr Zeit den Tag in Helsinki zu verbringen. Wir schlenderten gemütlich durch die Stadt, sahen den Dom und die Kathedrale, gingen über den Stadtmarkt und passierten einige Schuh-, Taschen- und Bekleidungsgeschäfte. Helsinki ist wirklich niedlich, im Zentrum, rund um den Hauptbahnhof befinden sich viele Straßen mit Cafés, Bars und Geschäften. Nachdem wir den ganzen Tag herumgelaufen waren, beschlossen wir schon etwas früher wieder auf das Schiff zu gehen und um ein wenig Schlaf der letzten Nacht nachzuholen. Gesagt, getan! Wir wollten aber auch das Auslaufen aus dem Hafen nicht verpassen und standen somit schon eine Stunde später auf dem obersten Deck des Schiffes und sahen, wie die Lichter der Stadt im dunklen Nachthimmel immer kleiner wurden und schließlich verschwanden. Das war ein schönes Erlebnis. Anschließend machten wir uns wieder ausgehfertig. Wobei wir beschlossen, diesen Abend gemütlicher angehen zu lassen. Wir setzten uns in eine der Bars, in der eine Vorstellung, bestehend aus folklorischen Tänzen, Musik und Gesang stattfand. Danach sind wir in die Kabine zurück gegangen und haben geschlafen.

Rückkehr nach St.Petersburg

Am Sonntagmorgen sind wir relativ ausgeschlafen wieder im Hafen von St. Petersburg angekommen. Es erschien uns alles ein bisschen wie im Traum, da nun unser „Abenteuer Helsinki“ schon wieder vorbei war. Aber schon an der Passkontrolle bemerkten wir, dass wir wieder in Russland waren, erst mussten wir uns mit drängelnden, „(wodk)alkoholisierten“ Menschen in der Schlange herumärgern und dann wollten uns die russischen Taxifahrer abzocken, in dem sie 20 € für die Strecke haben wollten, für die wir auf dem Heimweg nur 8 € bezahlt haben. Aber nicht mit uns! Wir wählten wieder die Nummer des Taxiunternehmens, das uns auch am Freitag zum Hafen gebracht hat, da wir uns die zweistellige Bonuskartennummer gemerkt hatten ;-). So kamen wir günstig und schnell wieder im Wohnheim an.

Fazit

Manchmal sind die spontanen Entscheidungen wirklich die Besten. Ich habe auf jeden Fall gelernt, dass man nicht immer alles planen muss, denn meistens klappt es dann sowieso nicht. Wenn man sich aber zu spontanen Aktionen hinreißen lässt, sind der Spaß und das Erlebnis riesig. Danke an Olga für diese positive Eigenschaft, die ich in Zukunft auf jeden Fall öfter anwenden werde.

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